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Je nach Lichttemperatur wirken Farben anders.
Du hast es vielleicht schon mal gemerkt:
Das Licht in Umkleiden ist oft alles andere als hilfreich.
Die Haut wirkt vielleicht gut, aber die Farben der Kleidung lassen sich deutlich schwerer einschätzten als draußen im Tageslicht.
Das ist keine Einbildung – das ist Physik.
Ich halte es aber trotzdem kurz:
Sehr wahrscheinlich hat das Licht dort eine ungünstige Farbtemperatur.
Warmes Licht verfälscht Farben ins Warme, wodurch sie deutlich anders wirken als im Tageslicht.
⇒ Licht spielt eine zentrale Rolle für unsere Farbwahrnehmung.
Und genau deshalb ist das richtige Licht nicht nur im Alltag wichtig, sondern auch für die Farbanalyse und das Finden deiner Highlightfarben wichtig.
In diesem Artikel zeige ich dir kurz und einfach:
warum Licht unsere Farbwahrnehmung beeinflusst,
wie unterschiedliche Lichtqualitäten Farben verändern
und worauf du bei Farbvergleichen achten solltest.

Licht ist die physikalische Voraussetzung für das Sehen.
💡 Ohne Licht gäbe es für unser Auge keinen Reiz, den es verarbeiten kann – und damit auch keine Farbwahrnehmung.
Das menschliche Sehsystem ist evolutionär auf das Licht der Sonne abgestimmt. In dem Bereich, in dem Sonnenlicht seine größte Intensität erreicht, nehmen wir auch Farben differenziert wahr. Deshalb ist Tageslicht bis heute die beste Vergleichsbasis um Farbtests und Farbbeurteilungen vorzunehmen.
Verschiedene Lichtqualitäten bedeuten auch verschiedene Lichtfarben.
Weißes Licht enthält alle Farben des für uns sichtbaren Farbspektrums.
Trifft es auf eine Oberfläche, werden bestimmte Farbanteile reflektiert – andere geschluckt.
Der Begriff Spektrum macht es deutlich: Farbiges Licht besitzt – je nach Lichtfarbe - unterschiedliche Wellenlängen.
Kurz gesagt:
Je nach Sonnenstand, Atmosphärenbedingungen und Erdumlaufbahn verändern sich die Lichtverhältnisse – so entstehen unterschiedliche Lichtfarben (Farbtemperaturen).
Je nachdem, welche Farbanteile im Licht überwiegen, wirken Farben:
wärmer oder kühler
klarer oder gedämpfter
kontrastreicher oder flacher
Die Farbe selbst bleibt gleich – die Wirkung nicht.

Für die Farbbeurteilung zählt nicht „hell“, sondern die Lichtfarbe.
Für die Farbanalyse ist also die Lichtfarbe entscheidend – erst in zweiter Linie, ob ein Licht hell genug ist, um genug zu erkennen.
Die Lichtfarbe wird auch Lichttemperatur genannt. Sie beschreibt die Zusammensetzung und Stimmung des Lichts – nicht seine Intensität.
Der Grund das ein Kleidungsstück je nach Beleuchtung wunderbar oder
eher unvorteilhaft aussieht ist einfach:
Unterschiedliche Lichttemperaturen betonen verschiedene Farbbereiche.

Du kannst die Lichtfarben grob in folgende zusammenfassen:

Warmweiß
= Hoher Rot-, Gelb- und Orangeanteil – ähnlich dem Licht während eines Sonnenuntergangs.
Farben erscheinen wärmer, Kontraste weicher.
Neutralweiß
= Leicht gelblich – ähnlich dem Licht am frühen Vor- oder späten Nachmittag.
Farben wirken relativ neutral.
Tageslichtweiß
= Minimal gelblich, weiß oder minimal bläulich – ähnlich hellem Tageslicht bei mittelhoch stehender Sonne, bei klarem Himmel.
Farben wirken klar, differenziert und gut vergleichbar.
Kaltweiß
= bläulich bis stark bläulich – etwa wie das Licht bei stark bedeckten, blauen Himmel (bläulich) oder auch
ähnlich dem Licht, kurz vor Sonnenauf- bzw. kurz nach Sonnenuntergang (stark bläulich).
Kontraste werden betont, Hauttöne wirken oft kühl oder fahl.
Merke:
Für Farbvergleiche ist neutrales bis tageslichtweißes Licht am zuverlässigsten.

Im Laufe des Tages verändert sich die Lichtqualität durch die Rotation der Erde.
Lass uns die Lichtqualitäten der verschiedenen Tageszeiten etwas genauer betrachten – und die Farben der Natur bewundern:
Die „blaue Stunde“
Kurz vor Sonnenaufgang und kurz nach Sonnenuntergang.
Die Sonne ist unter dem Horizont,
die Atmosphäre wird indirekt beleuchtet –
das Licht enthält viele Blau- und Violettanteile.

Sonnenaufgang und Sonnenuntergang
Die Sonne steht sehr flach, das Licht legt einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurück.
Dadurch bekommt es einen starken Rot- und Orangeanteil.

Die goldene Stunde
Das Licht der Dämmerung.
Die Sonne steht aber noch niedrig, das Licht legt einen noch relativ langen Weg durch die Atmosphäre zurück. Es hat einen hohen Gelbanteil (warmweiß).

Früher Vormittag und später Nachmittag
Die Sonne steht mittelhoch.
Das Licht ist nur noch leicht gelblich, wirkt aber am neutralsten (neutralweiß).

Später Vormittags und früher Nachmittag
Die Sonne steht hoch, aber nicht im Zenit.
Das Licht ist hell, fast weiß (tageslichtweiß).

Das Licht im Zenit
Die Sonne steht im höchsten Punkt am Himmel (Zenit).
Das Licht hat bei klarem Himmel den kürzesten Weg durch die Atmosphäre. Dadurch bleibt ein maximaler Blauanteil erhalten (kaltweiß).

Wetterbedingungen verschieben die Lichttemperatur.

Das Tageslicht, das wir wahrnehmen, ist immer eine Mischung aus direktem Sonnenlicht und gestreutem Himmelslicht.
Wolken, Dunst, Staub usw. verschieben den Lichteindruck meist in eine kühlere oder diffusere Richtung.
Deshalb kann dieselbe Farbe bei unterschiedlichem Wetter etwas anders wirken.

Die Erdachse verändert unsere Position zur Sonne im Laufe des Jahres.
Dadurch änderst sich der Winkel der Sonneneinstrahlung – und damit die Lichtfarbe.
(Ja, das ist der Moment, in dem der Geografieunterricht plötzlich alltagsrelevant wird 😉)
Winter
Die Erde ist stark geneigt, die Tage kurz, die Nächte lang.
Die Sonne steht flach, das Licht hat einen längeren Atmosphärenweg. Dadurch wird das Licht rötlicher, durch bedeckten Himmel erhält es einen kühleren Ton.
Die Farben wirken gedämpfter, Hauttöne gelblicher.

Frühling & Herbst
Frühling und Herbst sind Übergangsphasen. Die Sonne steht mittelhoch, Wetter und Licht sind wechselhaft.
Farben wirken neutral bis leicht warm – die Farbwirkung ist variierend wie das Wetter.


Sommer
Die Erde ist stark geneigt, die Tage sind lang, die Nächte kurz.
Die Sonne steht hoch am Himmel, das Licht hat den kürzesten Weg durch die Atmosphäre. Dadurch wird das Licht bläulich und kühl. Das Wetter sorgt durch den üblichen Dunstschleier oft für zusätzliche Kühle.
Farben wirken klarer und kontrastreicher.

Die Lichtbedingungen verändern sich also im Jahresverlauf – und damit unsere Wahrnehmung von Farbqualitäten.

Betrachtest du eine Farbe unter verschiedenen Lichtquellen, kann sie völlig unterschiedlich wirken.
Umso wichtiger wird der Vergleich mit anderen Farben unter gleichen Lichtbedingungen.
Im Video zeige ich dir weitere Beispiele, wie sich Licht auf die Farbwahrnehmung und Farbwirkung auswirkt.
Du siehst:
Das farbige Stoffstück bleibt gleich – nur das Licht verändert sich und damit seine Wirkung.
Diese Erkenntnis ist zentral für jede Farbanalyse und zeigt, warum wir Farbe nie isoliert betrachten sollten.
In Kürze: Licht ist Teil der Farbanalyse
So wird es was mit der differenzierten Farbwahrnehmung:
Beurteile Farben möglichst bei Tageslicht am späten Vormittag oder frühen Nachmittag.
Die Lichtqualität spielt eine Rolle beim Farbenbetrachten.
Vergleiche Farben immer unter gleichen Lichtverhältnissen.
Stelle immer (mindestens) zwei Farben nebeneinander.
Zusätzliches Kunstlicht ist eine Annäherung – wähle möglichst tageslichtweißes Licht (5000–6000 K), um Farben möglichst objektiv zu bewerten.
Eine kleine Beobachtungsübung für dich:
Nimm einen farbigen Gegenstand, den du gut kennst – zum Beispiel ein Tuch, ein Oberteil oder ein Stück Papier in einer kräftigen Farbe.
Fotografiere denselben Gegenstand mit deinem Smartphone:
am frühen Vormittag
am frühen Nachmittag
am Abend
optional zusätzlich bei Kunstlicht
am frühen Vormittag
am frühen Nachmittag
am Abend
optional zusätzlich bei Kunstlicht
Achte darauf, den Gegenstand jeweils am gleichen Ort zu fotografieren – z. B. immer am selben Fenster oder auf der Terrasse.
Worauf du achten kannst:
Wirkt die Farbe wärmer oder kühler?
Erscheint sie klarer oder gedämpfter?
Verändert sich der Kontrast?
💡 Der Gegenstand bleibt derselbe – nur das Licht wechselt.
Im Blog findest du weitere Artikel zum Thema Farben:
🔷 Farbtemperatur in Farbfamilien erkennen - bald online
🔷 Bunte Grautöne – Warum dir nicht jedes Grau steht - bald online

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